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NAR-Seminar: Mysterium Gehirn

16. Oktober 2008, Neue Universität, Hörsaal 10

 

Stefan M. Maul

 

Prof. Dr. Stefan M. Maul
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients - Assyriologie, Universität Heidelberg

Heilen im alten Orient (Videovortrag 47 min.)

 

 

 

Bei Ausgrabungen in Assur, der alten Hauptstadt Assyriens, die im Jahre 614 v. Chr. von den Medern eingenommen und vollständig zerstört wurde, fanden sich in den Ruinen eines Privathauses Hunderte von in kleine Scherben zerbrochenen, mit Keilschrift beschriebenen Tontafeln. Man war auf die Reste der Fachbibliothek eines Heilers gestoßen, in der ein bereits damals schon sehr altes, umfangreiches Textcorpus mit Tausenden von modern anmutenden medizinischen Rezepten, mit Nachschlagewerken und zahlreiche Beschreibungen von Heilverfahren zusammengetragen worden waren.

In dem Vortrag soll an dem Beispiel der Anweisungen zur Behandlung einer Krankheit, die man mamitu, »Bann«, nannte, gezeigt werden, wie untrennbar in der altorientalischen Heilkunst Medizin und Magie miteinander verbunden sind.
Bereits der Name der Krankheit »Bann« zeigt, daß die mesopotamischen Heiler keineswegs das akute und durchaus charakteristische Krankheitsbild als kennzeichnende Eigenart dieses Leidens betrachteten. Das eigentliche Wesen der als »Bann« bezeichneten Krankheit sahen sie vielmehr in einer massiven Störung im Verhältnis zwischen dem erkrankten Menschen und den Göttern, die im Zorn über ein Vergehen den »Bann« über einen Menschen verhängt hatten.
Die zahlreichen Keilschrifttexte, die sich mit der Krankheit »Bann« beschäftigen, vermitteln ein genaues Bild von der Vorstellung der altorientalischen Heiler, wie die Krankheit mamitu zu wirken begann. Dem Arzt zeigten sich erste Hinweise auf die Krankheit »Bann« in ökonomischen Schwierigkeiten des Betroffenen. Im Krankheitsbild folgten dann Beeinträchtigungen psychischer Art, die in den lebensbedrohlichen somatischen Störungen einer Abdominalerkrankung gipfelten.

Die langwierigen therapeutischen Verfahren, die die mesopotamischen Heiler empfahlen, sehen lediglich in ihrem abschließenden Teil die Verabreichung von Medikamenten vor. Zwar wurde der Patient auch mit Klistieren, Kräuterumschlägen, medizinischen Bädern, Salben und Säften behandelt. Doch im Denken eines mesopotamischen Heilers bliebe das Kurieren der physischen Symptome einer Erkrankung letztlich wirkungslos, wenn nicht die tieferen, auf Schuld und Vergehen zurückgeführten Ursachen der Krankheit beseitigt und eine grundlegende Harmonie zwischen dem Menschen und dem Göttlichen wiederhergestellt wird.

 

 

Andreas Meyer-Lindenberg, Foto: Michael Doh, NAR

 

Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI), Mannheim

Gehirnmechanismen menschlichen Sozialverhaltens (Videovortrag 36 min.)

 

 

 

Soziale Interaktionen sind entscheidend für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit gerade im Alter. Die komplexe Informations- und Emotionsverarbeitung, die dem hochdifferenzierten menschlichen Sozialverhalten zugrunde liegt, fordert unserem Gehirn einiges ab. Es ist sogar die Hypothese vertreten worden, dass es gerade dieses komplexe soziale Umfeld war, welches den wesentlichen Antriebsfaktor für die Evolution des menschlichen Gehirns darstellte. Es macht deshalb Sinn, die Verarbeitung sozialer Phänomene im menschlichen Gehirn zu untersuchen und zu fragen, ob es genetische Faktoren gibt, die diese Verarbeitung beeinflussen. Das kann mit Hilfe moderner Methoden der sogenannten "imaging genetics" geschehen, bei der genetische Informationen mit Daten zur Funktion und Struktur des Gehirns, wie sie mit MRT-Scannern gemessen werden können, kombiniert werden. Diese Forschungsrichtung zeigt Hirnmechanismen z.B. der Empathie, der Partnerbindung und des prosozialen Verhaltens aber auch der Aggression auf und gibt Aufschluß über Risikofaktoren seelischer Erkrankungen wie z.B. Schizophrenie, Depression oder Autismus.

 

 

Rainer M. Holm-Hadulla

 

Prof. Dr. Rainer M. Holm-Hadulla
Psychotherapeutische Beratungsservice des Studentenwerks, Universität Heidelberg

Kreativität im Alter am Beispiel Goethes (Videovortrag 26 min.)

 

 

 

Wie konnte Goethe, hochbegabter Dichter, Staatsmann und Naturwissenschaftler bis ins hohe Alter so kreativ sein? Der psychologische Blick in seine Werke und Briefe sowwie in sein Leben und seine Beziehungen zu anderen Menschen enthüllt nicht nur sein schöpferisches Genie, sondern zeigt auch, dass Goethe über eine besondere Bereitschaft verfügte, seelische Erschütterungen anzunehmen und für die Entwicklung seiner Kreativität zu nutzen. Er bejahte die natürlichen Lebensrhythmen und war bis ins hohe Alter bereit, das Leben als kreative Herausforderung zu akzeptieren und zu gestalten:

Und solang du dies nicht hast,
Dieses Stirb und Werde,
Bist Du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Die Beschäftigung mit Goethes kreativen Lebens- und Alternsstrategien ist nicht nur ein intellektuelles Vergnügen, sondern auch lebenspraktisch bedeutsam.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 06.11.2012
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